Da weinte Jesus.
Geistliche Einordnung zu Johannes 11, 25 (Monatsspruch für März 2026)
Liebe Leser*in,
als Jesus zu seinen Freunden gerufen wird, weil Lazarus im Sterben liegt, da - so scheint es - kommt er zu spät. Maria ist in Tränen aufgelöst, ihr geliebter Bruder ist tot. Mit ihr trauern viele andere Menschen. Als Jesus sie alle weinen sieht, wird er sehr betrübt und lässt sich das Grab zeigen. Als er dort ankommt, bricht auch er in Tränen aus. Die Umstehenden denken, dass er über den Verlust eines seiner besten Freunde weint. Aber das ist wohl nicht die ganze Wahrheit. Vielleicht weint Jesus auch - ganz wahrer Mensch - , weil die Tränen von Maria und Martha und ihre Trauer ihm so zu Herzen gehen - und ihn ihre und seine Gefühle erst einmal überfordern?
Du und ich können Jesus in dieser Begebenheit als einen Menschen aus Fleisch und Blut erleben: Trauer und Schmerz sind ihm nicht fremd, sie sind auch für ihn nicht leicht zu ertragen, aber dann lässt er sie doch zu. Er lässt los. Er versteckt seine Traurigkeit nicht mehr, nimmt seine Gefühle wahr, gibt ihnen Raum und schämt sich nicht dafür. In diesem Moment scheinen die Tränen etwas in ihm zu lösen und es wächst ihm neue Kraft von seinem Vater her zu, weil der ihn ermutigt. Und als er einen Weg findet, Lazarus aus den Toten zurückzurufen - ganz wahrer Gott - , findet diese Geschichte auch noch ein Happy End! Das liest sich schön, ist für mich aber in dieser Auslegung nicht das Wichtige.
Mich beeindruckt, wie sehr Jesus mit den Menschen, die bei ihm sind, mitfühlt. Diese Seite an Jesus ist mir oft gar nicht so stark bewusst gewesen. Ich stelle mir vor, dass er auch mir gegenüber empathisch ist. Mitgefühl hat. Nein, besser: Mit mir fühlt, in dem, wie es mir geht und was ich empfinde. Jesus hat bei Maria und Martha dieses Mitgefühl fließen lassen, obwohl er gewusst hat, dass ihre Trauerphase vorübergehen würde, denn sein Vater würde Lazarus ja von den Toten zurückholen.
Wie geht es dir damit, wenn du dir vorstellst, dass Jesus Christus deine Gefühle nicht egal sind, dass er mit dir mitfühlt? Denn er sagt nicht: „Reiß dich zusammen, das geht vorüber!“ Christus ist stattdessen auch in deiner und meiner Traurigkeit und in deinem und meinem Dunkel bei dir und mir, denn er weiß aus eigener Erfahrung, ganz Mensch zu sein, genau, wie sich das anfühlt. Er weint mit dir und mir und womöglich können seine und unsere Tränen etwas lösen, weil sie sein dürfen.
Komm gut durch die Passionszeit in diesem Jahr!
Spüre nach seiner Nähe in den schönen und in den schweren Gefühlen.
Das wünscht deine Pastorin Sabine Klatt, die dich so vertraulich anschreibt, weil diese Begegnung mit Jesus, unserem Bruder, so persönlich ist.
Das ist nicht naiv und macht uns auch
nicht blind.
Krieg kennt nur Opfer, immer auf
beiden Seiten.
Für sie beten wir, wollen und werden aber auch nicht vergessen, wer der
Agressor ist.
Dies ist Putins Krieg!