Zu wenig Wachstum oder zu viel?

Geistliche Einordnung zum Erntedank

 


Liebe Gemeinde, 

im Monat September wird bereits fleißig geerntet. In diesem Jahr – so erwartet Greenpeace allerdings – wird auch aufgrund der Sommerhitze das Wirtschaftswachstum sehr einbrechen. So meldete am 24. August „Tagesschau live“, dass die Arbeitsproduktivität in Deutschland in den vergangenen Jahren nur noch jeweils um 0,3 Prozent gewachsen sei. Das sei viel zu wenig und gefährde unseren Wohlstand, hieß es von anderer Seite. Und: abnehmender Wohlstand – so fürchten viele – führe doch nur zu Unzufriedenheit in der Bevölkerung und zu zunehmender Radikalisierung Richtung AfD. Also setzen viele auf Wachstum – egal um welchen Preis. Aber geht die Gleichung Wohlstand = Zufriedenheit einfach so auf? 

2004 hatten nur 57% aller Haushalte eine Spülmaschine; Dunstabzugshauben in den Küchen gab es ebenfalls nicht flächendeckend. Dennoch zeigt der Glücksatlas, dass das Glücksgefühl der Deutschen über die letzten 20 Jahre konstant auf einem Hochplateau geblieben ist. Vielleicht waren die Menschen ohne die Nachrichten über den Ukraine-Krieg und die neuesten Verrücktheiten von Trump damals sogar glücklicher? Trotz weniger Wohlstand? Trotz fehlender Laubbläser, Mähroboter und Airfryer? 

Wir setzen einfach auf das falsche Wachstum zum Lösen unserer Probleme und wissen doch nicht erst seit heute (siehe „Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit, 1972“), dass Wachstum ohne Grenzen eines Tages zum größtmöglichen Zusammenbruch führt. Wir brauchen statt eines äußeren ein inneres Wachstum. Ein geistliches Wachstum statt Wachstum durch den Geist der KI. An uns selbst schätzen wir ja auch nicht so sehr das äußere Wachstum der Rettungsringe als vielmehr einen inneren Zuwachs des Menschen, z. B. an Einsicht oder auch an Vertrauen. Inneres Wachstum = mehr Zufriedenheit – dieser Gleichung kann ich hingegen sehr viel abgewinnen. 

Jesus fordert uns in der Bergpredigt auf, den Versuchungen von ungebremstem äußeren Wachstum eben nicht zu erliegen.

„Sorget nicht!“, rief er, „seht die Lilien auf dem Felde, sie arbeiten nicht und doch hat Gott sie herrlicher gekleidet als Salomo in all seiner Pracht!“ Matthäus 6, 28f.

Lilien, die das Bruttosozialprodukt in keiner Weise steigern, werden hier zum Beispiel für Lebenskunst. Zu Wegen hin zu einem inneren statt äußeren Wachstum und  zu einem spirituelleren Leben möge uns allen der September auf die Sprünge helfen. 

Es grüßt Sie herzlich, Ihre Pastorin Sabine Klatt

 

 

ukrainische Flagge mit Text: Stand with Ukraine, Pray forPeace
In unseren Gottesdiensten beten wir für Frieden, Vergebung, Versöhnung. Immer.
Das ist nicht naiv und macht uns auch
nicht blind.
Krieg kennt nur Opfer, immer auf
beiden Seiten.
Für sie beten wir, wollen und werden aber auch nicht vergessen, wer der
Agressor ist.
Dies ist Putins Krieg!

   Glaube, Liebe, Hoffnung